Fokus Lubango: Zwischen Haarnadelkurven und mystischen Abgründen

Im pulsierenden Herzen des südlichen Angola schwingt nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs der Geist des Aufschwungs. Wer Lubango und seine Umgebung bereist, taucht in ein kulturelles und landschaftliches Wunder ein.

Ganz vergessen ist die qualvolle Vergangenheit noch nicht. Doch vielleicht blüht Lubango auch deshalb so euphorisch auf, weil Cristo Rei vom 2.100 Meter hohen Gipfel der Serra da Chela das Geschehen der Stadt unermüdlich überwacht. Die Christusstatue ist Markenzeichen und Nationaldenkmal Lubangos und erinnert an die Madeirenser, die sich im Jahr 1885 in der Huíla-Region niederließen und die Stadt gründeten. Während andernorts die Kolonialgeschichte oft in der Flucht endete, blieben viele dieser Familien hier fest verwurzelt. An den bunten Fassaden der Kolonialbauten und Art-Deco-Gebäude erkennt man bis heute die Baukunst der portugiesischen Siedler – auch wenn der Putz inzwischen von den Mauern bröckelt und die Farben unter der afrikanischen Sonne verblassen.

Die lebhafte Stadt ist jedoch nicht nur ein Spiegel vergangener Zeiten, sondern auch der perfekte Ausgangspunkt für Erkundungen der atemberaubenden Umgebung. Als wohl schönste Adresse in der Stadt nächtigt man dafür im Pululukwa Resort – eine stilvolle Lodge, die auf dem ehemaligen Areal einer madeirischen Farm am Stadtrand liegt. Folgende Highlights sollte man sich bei einem Besuch Lubangos nicht entgehen lassen:

Der Blick in den Abgrund: Die Tundavala-Schlucht

Etwa 20 Kilometer nordwestlich von Lubango, direkt an den schwindelerregenden Klippen von Tundavala, liegt ein Aussichtspunkt der Superlative. Hier fällt das Zentralplateau Angolas von 2.200 Metern Höhe über tausend Meter abrupt in die Tiefe und gibt einen Blick über die Ebene der Provinz Namibe und ihre Wüsten frei. Der monumentale Felsspalt Fenda da Tundavala zählt zu den sieben Naturwundern Angolas und ist zudem ein mystischer Ort, um den sich schaurige Geschichten ranken. Lokale Legenden erzählen von den Seelen der Ahnen, die in der Tiefe wohnen, aber auch von düsteren Kapiteln, in denen ungeliebte Mitmenschen an der Klippe rücksichtslos eliminiert wurden oder spurlos verschwanden. Für Besucher ist das Naturwunder mit Aussichtsplattformen und einem großen Parkplatz inzwischen jedoch touristenfreundlich gestaltet und wird teilweise sogar überwacht – und ist somit ein sicherer und faszinierender Ort, um dieses Naturwunder auf sich wirken zu lassen.

Der weg an die Küste: die serra da leba-Passstrasse

Auf dem Weg von Lubango hinab an die Küste fährt man über eine der vielleicht schönsten Passstraßen der Welt: Die Serra da Leba. Wie ein graues Band windet sich die Asphaltstraße vom fruchtbaren Huíla-Hochplateau über unterschiedliche Klimazonen in die trockene Ebene von Namibe hinunter – vorbei an üppigen Mangobäumen, deren knorrige Äste über die Straße hängen, bis sich die Landschaft allmählich in den sandigen Ausläufern der Wüste verliert. Hier begegnet man immer wieder den Halbnomaden vom Stamm der Mwila, die in ihren farbenprächtigen Kleidern Perlen und Tücher verkaufen oder ihre Viehherden hüten. Von Lubango kommend findet man direkt hinter dem Passhaus einen Aussichtspunkt mit Parkplatz und den perfekten Stopp: Von hier oben blickt man auf das fotogene Straßenkunstwerk, das sich in engen Haarnadelkurven die steilen Felswände hinabstürzt.

Ein hauch von schweiz: die Käserei „Le chalet“

Auf halber Strecke zur Tundavala-Schlucht findet man eine kulinarische Überraschung, die man hier am allerwenigsten erwarten würde: eine mit Schweizer Expertise geführte angolanische Käserei und ein gleichnamiges Café namens Le Chalet. Aus der frischen Milch lokaler Bauern entstehen hier nach traditioneller europäischer Handwerkskunst exzellenter Joghurt, würziger Gouda und sogar echter Raclette-Käse. Die Produkte sind inzwischen so begehrt, dass sie bis in die Luxushotels der Hauptstadt Luanda geliefert werden. Ein Zwischenstopp im rustikalen Holz-Chalet ist für Käseliebhaber somit ein Muss – für eine würzige Käseplatte, die berühmte hausgemachte Chouriço (Wurst) und ein Glas der traumhaften Weine.

Weitere Sehenswürdigkeiten

Wer mehr Zeit mitbringt, kann in Lubango und der Huíla-Region auch noch diese Ausflüge einplanen:

  • Für Geschichts- und Architektur-Fans: Der ehemalige Gouverneurspalast (1887), das Alte Rathaus (1900–1915) und der historische Bahnhof (1905–1923) – diese Gebäude zeigen die koloniale Architektur in ihrer ganzen Pracht. Unweit der Stadt liegt zudem die geschichtsträchtige Huíla-Missionskirche von 1880.
  • Die Wasserfälle (Cascata da Huíla): Ein Wasserfall, ein Garten und der Schatten alter Laubbäume – besonders eindrucksvoll, wenn der Fluss nach der Regenzeit viel Wasser führt.
  • Aussichtspunkt Boca da Humpata: Wenn du ohnehin Richtung Serra da Leba unterwegs bist, lohnt sich dieser Stopp auf dem Hochplateau von Humpata für einen weiteren epischen Weitblick.
  • Die Ondimba-Höhlen (Grutas de Ondimba): Ein faszinierendes Höhlensystem mit einem unterirdischen See, das ebenfalls in der Region versteckt liegt.

Hier geht es zu unserem Roadtrip durch Angola.

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