Namibia – Highlights für ein erstes Mal
Das erste Mal: Manchmal ist es irritierend, manchmal ernüchternd, enttäuschend. Und manchmal verdreht es einem den Kopf, stiehlt einem das Herz, betört und macht süchtig. Bei meiner ersten Reise nach Namibia ist es um mich geschehen. Ich bin verzaubert. So nachhaltig, dass ich hier die Highlights aus inzwischen zahlreichen Reisen für Namibia-Neulinge und all jene zusammenfasse, die sich ebenfalls entflammen lassen möchten.
Wir lieben es, mit dem Auto zu reisen. Man sieht nicht nur mehr, sondern spürt das Land intensiver, näher, echter. Namibia ist ein ideales Land für Selbstfahrer. Unzählige Anbieter vermieten Geländewagen mit Allradantrieb, Bodenfreiheit, Campingausrüstung und Dachzelt. Allerdings kann das Angebot in der Hauptsaison knapp werden, weshalb man mit der Planung rechtzeitig beginnen sollte.
Wir hangeln uns gerne von Lodge zu Lodge und entscheiden spontan, ob wir eine weitere Nacht anhängen. Dabei gehen wir bewusst das Risiko ein, in einer sehr einfachen Unterkunft zu landen. Wer auf der Suche nach einzigartigen Campsites ist oder den luxuriösen Komfort einer Lodge wünscht, sollte deshalb auch seine Übernachtungen zeitig buchen — gerade in Nationalparks am besten Monate im Voraus.
Eine sorgfältige Streckenplanung ist in Namibia unerlässlich. Die Distanzen zwischen den Highlights sind groß und Straßen oftmals aus Sand und Schotter. Plant deshalb überschaubare Tagesetappen, damit ihr das Ziel spätestens zum Sonnenuntergang erreicht. Wildtiere können die Straßen queren und Oryxantilopen springen mit Vorliebe ausgerechnet dann auf die Piste, wenn sich ein Auto nähert – und bleiben nicht selten irritiert im Scheinwerferlicht stehen. Eine Vollbremsung auf Schotter? Vielleicht sogar mit Dachzelt? Weder am Tag, und noch weniger in der Nacht!
Wenn ihr bereit seid, euch mit allen Sinnen von der Schönheit dieses Landes um den kleinen Finger wickeln zu lassen, solltet ihr euch folgende Orte auf keinen Fall entgehen lassen:

Kolmannskuppe
Zugegebenermaßen hätte ich nichts dagegen gehabt, einen Diamanten zu finden. Er hätte auch klitzeklein sein dürfen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde aber bereits jedes größere Sandkorn begutachtet und jeder Stein umgedreht. Die unglaublichen Mengen abgebauter Diamanten machten Kolmannskuppe zur damals reichsten Stadt Afrikas – bis das Abbaugebiet in den 1950er-Jahren leer geplündert war. Die Einwohner hinterließen eine Geisterstadt, in der sich die Wüste über die letzten Jahrzehnte ausgebreitet hat. Heute kann man den einstigen Charme der kolonialen Villen bestaunen und den Reichtum in den Räumlichkeiten erahnen, in denen sich jetzt kleine Sanddünen auftürmen. Die Namib erobert sich die Stadt Stück für Stück zurück und lässt die Überbleibsel noch geisterhafter erscheinen. Im angrenzenden Museum ist die kurze Erfolgsgeschichte informativ aufbereitet.
Wer ins entlegene Kolmannskuppe reist, sollte auch weiter in die kleine Küstenstadt Lüderitz fahren, dem rauen Atlantikwind trotzen und fangfrische Austern genießen.

Das Sossusvlei und die roten Dünen der Namib
Ohne die leuchtend orange-roten Dünen, die das Sossusvlei umrahmen, hätte dieser Ort etwas Gespenstiges. Das Sossusvlei ist eine karge Salztonpfanne, in der die schwarzen Gerippe verdorrter Kameldornbäume von der Wasserarmut der Region zeugen. Nur alle paar Jahre wird der Fluss Tsauchab mit Regen gefüllt, leitet sein Wasser weiter in das Vlei, um kurz danach in den umliegenden Dünen zu versickern. Big Daddy ist mit über 350 Metern Höhe die höchste Düne im Sossusvlei und eine der höchsten der Welt. Um im Nationalpark bis zum Vlei zu gelangen, benötigt man ein Allradfahrzeug, jede Menge Wasser und etwas Erfahrung im Sandfahren. Alternativ kann man rund 60 Kilometer nach dem Parkeingang sein Auto auf einem Parkplatz stehen lassen und mit einem Shuttle-Bus weiterfahren. Der Park öffnet zum Sonnenaufgang. Wer diesen gerne im Vlei oder auf einer Düne erleben will, kann sich eine Nacht in der Dead Valley Lodge gönnen. Dann darf man bereits eine Stunde vor Sonnenauf- und eine Stunde nach Sonnenuntergang unterwegs sein. Für ein wahrhaft magisches Erlebnis solltet ihr euch eine Ballonfahrt zum Sonnenaufgang gönnen (Namib Sky).
Wenn ihr Big Daddy jedoch zu Fuß erklimmt, den nachgiebigen Sand der Riesendüne mühevoll bezwungen, und euren Atem beruhigt habt, werdet ihr feststellen: Das ist Liebe auf den ersten Ausblick.

Swakopmund
Auf den Spuren der deutschen Kolonialzeit gelangt man unweigerlich in die Küstenstadt Swakopmund. Hierhin flüchten Touristen wie Einheimische, um sich von der Hitze der Namib-Wüste abzukühlen, den Flair prunkvoller Kolonialbauten zu bewundern, und auf der palmengesäumten Strandpromenade zu flanieren. Zum Baden lädt der Atlantik jedoch nur Hartgesottene ein. Der eisige Benguelastrom kühlt das Wasser auf frostige Temperaturen ab, bietet dafür aber ideale Bedingungen für Fischliebhaber. In Swakopmund könnt ihr die besten Austern der Welt fangfrisch verspeisen. Von Swakopmund aus gibt es vielfältige Unternehmungsmöglichkeiten. Bei einer Quad-Tour könnt ihr die Gegensätzlichkeiten der atlantischen Küste und der angrenzenden Namib erleben oder mit einem Sandboard die Dünen hinuntergleiten. Wer eine Auszeit von der Wüste braucht, kann bei einer Tour mit dem Boot oder Katamaran auf Robben-, Delfin-, und vielleicht sogar Walbeobachtung gehen.

Skelettküste
Namibia ist von endloser Weite und kargen Wüsten geprägt. Doch an der Skelettküste spürt man darüber hinaus die Einsamkeit und die Aussichtslosigkeit der Schiffbrüchigen, die hier reihenweise gestrandet sind. Die unberechenbaren Nebelfelder und Strömungen des Benguelastroms wurden Walen, Schiffen und Flugzeugen zum Verhängnis. Die Gestrandeten hatten in der unwirtlichen Gegend keine Überlebenschance und gaben der Küste ihren schaurigen Namen. Insbesondere im nördlichen Teil befinden sich unzählige Schiffswracks, die jedoch nur in einer geführten Safaritour erkundet werden können. Der südliche Bereich bis zum Kreuzkap ist aber frei zugänglich. Wer sich nicht vor der langen Anfahrt scheut, trifft hier auf die weltgrößte Robbenkolonie: Etwa 100.000 Zwergpelzrobben sorgen für einen gewöhnungsbedürftigen Geruch und einen enormen Geräuschpegel. Da ihr euch nicht in die Reihe der tragischen Opfer einreihen wollt, solltet ihr auf dieser endlosen Strecke zwei Sachen auf keinen Fall vergessen: Genug Sprit und jede Menge Wasser.

Brandberg
Unzählige Steinhügel, die aussehen, als hätte sie jemand mit viel Mühe präzise angehäuft, säumen den Weg durch das Damaraland Richtung Brandbergmassiv. Die höchste Erhebung Namibias umfasst eine ovale Fläche von 420 km², die inmitten des kargen Flachlands liegt. Wenn die Sonne gegen Abend von Westen scheint, erstrahlt das Granitgestein in glühendem Rot. Am Brandberg gibt es nahezu 50.000 Felsenmalereien zu bewundern, darunter die 15.000 – 16.000 Jahre alte ‚White Lady‘, die wohl eigentlich einen Krieger oder Schamanen darstellen sollte. Besichtigen kann man die Malereien nur noch in einer geführten Wanderung, da es in der Vergangenheit zu Vandalismus gekommen ist.
Wer sich für Fossilien begeistert, sollte einen Abstecher in den nahegelegenen Versteinerten Wald bei Khorixas machen. Dort können rund 240–300 Millionen Jahre alte, versteinerte Baumstämme bewundert werden.

Etosha Nationalpark
Ein Elefant oder eine Giraffe auf der Straße? Das kann einem in Namibia fast überall passieren – und Oryxe, Zebras und Springböcke sind allgegenwärtig. Um die Tiere in Ruhe beobachten zu können, bewaffnet man sich am besten mit einem guten Fernglas, stattet sich mit ausreichend Wasser aus und fährt in den Etosha-Nationalpark. Auf einer Fläche von fast 23.000 km² tummelt sich weit mehr als vier der ‚Big Five‘. Über 130 Säugetierarten sollen hier zu Hause sein. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang darf man mit seinem Auto auf den staubigen Wegen im Park umherfahren, nach dem besten Fotomotiv suchen, oder einfach nur in die Natur eintauchen. Morgens und am späteren Nachmittag, wenn die Sonne nicht mehr mit voller Wucht herunterbrennt, treibt es die Tiere an die Wasserstellen und auf Nahrungssuche. Ideal zum Beobachten ist die Trockenzeit zwischen Mai und Oktober, in der sich die Tiere an den verbliebenen künstlichen und natürlichen Wasserquellen tummeln.
Marienflusstal
Für Selbstfahrer, die eine Extraportion Adrenalin benötigen, und zudem über beste Offroadkenntnisse verfügen, gibt es wohl einen Weg durch das Marienflusstal. Wir haben diese wildromantische Gegend mit Hilfe eines verspielten Piloten erkundet. Kilometerlang flogen wir tief über ockerfarbenes Grasland hinweg, um dann plötzlich steil in die Luft abzuheben und in der Schwerelosigkeit kurzzeitig die Orientierung zu verlieren. Aus der Luft kann man Feenkreise bewundern – kreisrunde unbewachsene Flecken inmitten üppiger Graslandschaft, angelegt von Sandtermiten. Die Gegend ist von Himbas bevölkert, die für einen kleinen Obolus einen Einblick in ihr einfaches Leben gewähren. Wir sind durch das Tal bis zum Kunene-Fluss geflogen und haben ein paar Tage in einer wundervollen Lodge verbracht. In mystischer Abgeschiedenheit, eingebettet zwischen kargen, roten Felsen haben wir über den Kunene in Richtung Angola geblickt und ein Krokodil beobachtet. Harry – wir vermissen dich!





6 Comments
Mum
I Love your Story !
excitingworldtracks
Vielen lieben Dank 🙂
Emmy
Die einzigartige Stimmung und das so vielfältige Namibia in Worte zufassen ist eigentlich unmöglich! Doch beim lesen dieses Beitrags war alles wieder da. Die Gerüche, die Stille, die unfassbare Weite, die Tiere, die Gefühle und die unglaublich schöne Farbvielfalt…. Eine kurze und wunderschöne Reise zurück!
excitingworldtracks
Absolut unvergesslich – diese Reise mit meinen Liebsten!
Patrick Haccou
Nice meeting you at Riverdance Lodge, hope you have a wonderful trip
excitingworldtracks
Thank you dear Patrick for your help with our car!