USBEKISTAN

Usbekistan – Ausflug in Tausendundeine Nacht

Nebel breitet sich über der Fontäne des Wasserbeckens aus und legt sich auf meine Haut. Feinste Tröpfchen an kühlendem Nass in einem viel zu heißen Usbekistan. Es ist Juli, und das Thermometer klettert tagsüber auf fast 50 Grad. Die Hitze lähmt jegliche Bewegungslust bis in die Abendstunden. Auf unserm Platz im Lyabi House in Buchara vernichten wir eine hausgemachte Limetten-Limo nach der anderen, beobachten die Vorbereitungen der Kellner auf den Ansturm hungriger Gäste, und fühlen wie im abendlichen Licht die Temperaturen langsam erträglicher werden. Der Duft von gegrilltem Lammfleisch steigt in die Luft und vertreibt die hitzebedingte Appetitlosigkeit. Lamm, Tomaten und Gurken begleiten uns bereits seit Wochen, der Hunger darauf ist aber weiter ungebremst. Ach – und diese Melonen! Die Aromen von Gemüse und Obst entfalten unter der zentralasiatischen Sonne eine Intensität, die aus simplen Gerichten delikate Genusserlebnisse zaubern.

Kaum wird es Abend, beginnt Buchara zu leben. Die Einheimischen flanieren durch die Straßen und mischen sich unter die vielen Touristen. Usbekistan boomt. Seit der usbekische Präsident Shavkat Mirziyoyev Ende 2016 die Präsendentschaft übernommen hat fördert er gezielt die Entwicklung des Tourismus. In den märchenhaften Städten an der alten Seidenstraße wird renoviert, gebaut und saniert, wohin man auch blickt.  

 

 

 

 

Die Wüstenstadt Xiva (oder auch Khiva)

Die Zeit scheint stehen geblieben, wenn man durch ein Tor der wuchtigen Stadtmauer das alte Xiva betritt. Schmale Gassen und Winkel werden von alten Lehmmauern eigefasst, hier und da ein träger Hund oder eine streunende Katze. ‚Salam‘, wird man von den Einheimischen begrüßt, mit der rechten Hand auf dem Herzen als Geste der Wertschätzung. Im historischen Kern der über 2000 Jahre alten Museumsstadt gibt es eine Vielzahl von historischen Baudenkmälern zu bewundern. Medresen, Moscheen, der Palast Tasch Hauli und Minarette sind architektonische Meisterwerke, Kalta Minor ein mit Schwindel erregend vielen Mosaiken verziertes Minarett, dessen geplante Höhe von 80 Metern nie fertig gestellt wurde. Kein Wunder, dass sich in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder große Machthaber unterschiedlicher Nationen um Xiva stritten, die Stadt zerstörten und wieder neu aufbauten. Einst unrühmlicher Ort  florierenden Sklavenhandels, gehört der historische Stadtkern heute zum UNESCO-Weltkulturerbe und präsentiert der Welt seinen orientalischen Zauber.

Die alte Sklavenstadt Xiva in Usbekistan

 

 

 

Samarkand

Es ist wohl das populärste Bild, das einem auf der Suche nach Fotos aus Usbekistan im Internet begegnet: Der Registanplatz mit seinen drei Medresen. Die Opulenz der ehemaligen Koranschulen überwältigt mit blauen und türkisfarbenen Mosaiken, die der unzähligen Touristen aus aller Welt leider ebenso. Samarkand ist großzügig angelegt. Weitläufige, gepflegte Parks mit hohen Bäumen säumen die Straßen der zweitgrößten Stadt Usbekistans, die als schönste Stadt der Welt galt. Neben dem Registanplatz gibt es natürlich noch weitere Sehenswürdigkeiten wie die Grabstätte Timur ‚Gur-e-Amir‘, etliche Mausoleen und die gewaltige Bibi-Khanym-Moschee. Nach Buchara und Xiva suchen wir ein einzigartiges Charisma der Stadt jedoch irgendwie vergeblich.

Baukunst in Usbekistan

 

 

 

Taschkent

In Usbekistans Hauptstadt spürt man deutlich die sowjetische Vergangenheit. Gesichtslose, nüchterne Platten vermischen sich mit moderner und islamischer Architektur. Neben dem Hast Iman Komplex, auf dem mehrere religiöse Gebäude stehen und eine der ersten Koran-Fassungen aus dem 8. Jahrhundert ausgestellt ist, kann man postsowjetische Regierungsbauten in großzügigen Parkanlagen an Paradestraßen bestaunen. Oder das Alisher Navoi Theater, welches mit Hilfe von japanischen Kriegsgefangenen gebaut wurde und der Fernsehturm, dessen Besonderheit für mich nicht die Aussicht, sondern unzählige Nachbildungen von Fernsehtürmen aus aller Welt sind. Sommerlich angenehm kühles Highlight ist für uns die Taschkenter U-Bahn, deren Stationen jeweils einem unterschiedlichen Motto gewidmet sind. In der einen Station leuchten Lampen in Baumwollblüten-Optik, in der nächsten empfängt uns Raumschiff-Beleuchtung. Und dann wäre da noch das Plov-Center. Plov ist ein usbekisches Nationalgericht aus Reis, Karotten und Hammelfleisch. In überdimensionierten Feuerkesseln werden hier Plov-Massen gegart und in der mensa-mäßigen Abfertigungshalle aufgetischt. Die Einheimischen lieben das Lokal. Ich fand das Plov, das uns am Straßenrand irgendwo auf dem Weg nach Taschkent beim Melonenkauf in einer überschwänglichen Einladung auf einem Diwan angeboten wurde, eindeutig besser. Trotz benutztem Besteck und zwielichtiger Aufbewahrung. Wer das Nationalgericht zu Hause ausprobieren möchte, findet HIER ein tolles Rezept.

Was man sich in Taschkent absolut nicht entgehen lassen sollte, ist ein Abstecher zum Chorus Basar. Hier stapeln sich Trockenfrüchte neben handflächengroßen Kandisstücken, Fleischbrocken neben haselnussgroßen sauren Käsebällchen, Melonenberge neben Kräuterbüscheln. Und hier werden Brote gebacken als gäbe es kein Morgen.

U-Bahn-Station in der Hauptstadt in Usbekistan

 

 

 

 

Bei Sonnenaufgang gehört Buchara den Einheimischen und mir. Gekleidet in eine farbenfrohe Tunika mit passender Hose und buntem Kopftuch, fegt eine Frau die gepflasterten Straßen vor dem Toqi Sarrofon Bazar. Dort werden bereits geschnitzte Holzarbeiten und kunstvoll bestickte Decken und Kissen drapiert, mit Hoffnung auf prall gefüllte Touristentaschen. Ich suche mir einen Weg durch schmale Gassen abseits der Attraktionen. Die Gebäude sind bröckelig und der Sand auf den ungepflasterten Wegen rieselt durch meine Sandalen. Ein alter Mann mit einem flachen Käppchen auf dem Kopf radelt an mir vorbei, hält ruckartig und zeigt wild gestikulierend in eine Himmelsrichtung. „Rahmat“, bedanke ich mich für den Hinweis, dass wichtige Sehenswürdigkeiten wohl dort zu finden sind. In der Richtung liegt das Kalon-Minarett, Bucharas Wahrzeichen, das von Moscheen und Medresen umgeben ist. Die türkisfarbenen Kuppeln leuchten mir in der Morgensonne von weitem entgegen. Am Minarett angekommen setzte ich mich auf die Steinstufen und lasse die Pracht der Gebäude auf mich wirken. Dann schiebt sich die Sonne über das Portal der Medrese, trifft mit ihren Strahlen auf meine Haut und lässt sie sofort kribbeln. Zeit weiterzuziehen.

Tracht der Frauen in Usbekistan

Brot wird in Usbekistan traditionell im Tandyr gebacken

 

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