DEUTSCHLAND

Ballonfahrt über dem Chiemgau

Etwas merkwürdig ist das Gefühl schon. In diesem kleinen Korb sollen wir die nächsten zwei Stunden viele hundert Meter über dem Chiemgau schweben? Noch liegt er auf einer Seite, an langen Trageseilen mit dem großen Stoffballen verbunden, der den Korb tragen wird. Die heiße Luft, die unsere beiden Piloten zwischen die Stoffbahnen feuern entfalten daraus langsam den riesigen Ballon. Noch ein paar Mal verwandelt der Brenner das Gas in heiße Luft, dann richtet sich der Ballon auf und wir müssen uns mit dem Einsteigen beeilen. Die festen Korbwände sind nur hüfthoch, was sich bei unserer Größe nicht so wirklich sicher anfühlt. Mit den nächsten Schüben heißer Luft gibt es kein Zurück. Wir erfahren, dass man seine Höhenangst bei einer Ballonfahrt schnell verliert.

Die Bäume, welche die abgemähte Sommerwiese unter uns umgeben, werden schnell kleiner und der Wind schickt uns Richtung Chiemsee. Innerhalb kürzester Zeit fahren wir auf eine Höhe von 2000 Meter. Das wir das Luftmeer befahren und nicht fliegen wird nochmal ausdrücklich erwähnt. Die Stille wird jetzt nur noch gelegentlich vom Geräusch des Brenners unterbrochen. Dank dieses Traumsommers haben wir einen Blick über den gesamten Chiemsee, bis zum Alpenrand und noch ein Stück darüber hinaus. Salzburg wirkt, als wäre es gerade ums Eck, und in der Ferne sieht man angeblich sogar die Skyline Münchens – zugegebenermaßen kann ich die nicht als solche erkennen.

 

Eine Ballonfahrt ist ein unvergleichliches Erlebnis

 

Der lange, heiße Sommer hat seine Spuren hinterlassen. Das Wasser des Chiemsees ist weit zurück gegangen, man sieht Sandbänke und türkisfarbene Buchten. Die Autos sind klein wie Spielzeuge, Menschen kaum noch erkennbar. So langsam gewöhnen wir uns an die große Höhe und den kleinen Korb. Der Respekt bleibt, meine Sonnenbrille schieb ich jetzt doch lieber in die Hosentasche.

Der Wind bestimmt die Fahrtrichtung und treibt uns Richtung Rosenheim, dem Sonnenuntergang entgegen. Im Sommer können Ballonfahrten nur am frühen Morgen oder am Abend gemacht werden, zudem müssen die Thermik, die Windgeschwindigkeit und das Wetter geeignet sein.

 

Seebruck und der östliche Chiemgau während einer Ballonfahrt

 

Über dem Langbürgner See sinken wir weit und fahren so tief über den Häusern und der Eggstätter Seenplatte hinweg, dass wir den Leuten beim Grillen zuschauen können, uns zum Abendessen einladen und über die froschartige Bewegung der Schwimmer belustigen. Tief über einer Lichtung bin ich mir sicher, dass wir landen werden. Die großen Bäume am Rand sehen unüberwindbar aus. Der Pilot feuert mehrmals nach. Ich finde, wir sind den Bäumen bereits viel zu nahe und immer noch nicht gelandet. Aber dann, mit beängstigend später Reaktion, sind wir wieder direkt über den Wipfeln, lautlos und ganz selbstverständlich. Unter uns bleibt ein Reh stehen und schaut irritiert zu dem ungewohnten Geräusch des Brenners herauf. Wir schweben noch eine Weile in die Abenddämmerung, der Himmel verfärbt sich blutrot und die Sonne versinkt am Horizont.

Die Landung an einer kleinen Landstraße ist etwas holprig. Der Korb setzt das erste Mal auf, kippt zur Seite und schleift über die Wiese, hebt noch mal ein Stück ab und setzt dann wieder genau so auf. Wir sollen mit der Bewegung des Korbes mitgehen und uns entsprechend festhalten. Am Ende ist die Landung sanfter als erwartet. Wir helfen die Stoffberge zu bändigen, in ihre Stoffhülle zurück zu zwingen und zusammen mit dem 700 Kilogramm schweren Korb auf den Anhänger zu hieven.

Nach überlieferter Zunft und Ordnung der Aeronautik wird uns eine Haarsträhne mit Feuer angekohlt und mit Champagner wieder gelöscht. Mit dieser Taufzeremonie sind wir in den Luftadel erhoben und bekommen einen neuen Namen. Diesen sollten wir bei der nächsten Fahrt parat haben, sonst müssen wir mit Flüssigem Strafe zahlen: Gräfin Julia mit östlichen Winden fahrende Korbelfe nahe Seebruck. Klingt vielleicht etwas sperrig, aber doch sehr vornehm.

 

Blick über den Chiemsee und den Chiemgau bis zu den Alpen

 

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